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Niels
Stensen wurde am 1. Januar
1638 in Kopenhagen geboren und erhielt in der Taufe den Namen seines
Großvaters. Sein Vater, Sten Pedersen, war Goldschmied. Seine Mutter,
Anne Nielstochter, ihr Vater hieß Niels Truidsen, stammte aus einer
protestantischen Pastorenfamilie und war mit Sten Pedersen in zweiter
Ehe verheiratet. Stensen hatte noch eine Schwester, welche den Namen
Anna Stenstochter trug und bereits 1636 geboren worden war.
Nachdem sein Vater 1644 verstorben war, heiratete seine Mutter 1645 den
Goldschmied Peter Lesle, der jedoch bereits im November 1647 verstarb,
so das sie um 1650 den Goldschmied Johann Stichmann heiratete. Zwischen
dem dritten und sechsten Lebensjahr litt Stensen an einer langwierigen
Krankheit, so dass er kaum mit anderen Kindern spielen konnte. Der
achtjährige Niels schloss damals eine Freundschaft mit Jakob Hendrik
Paulli, dessen Vater ein bekannter Arzt war und der seine Erziehung
übernahm. Zwei Jahre später besuchte er dann die humanistische
Lateinschule seiner Vaterstadt, deren Schüler sich zum größten Teil auf
den geistlichen Stand vorbereiteten. Am 27. November 1656
immatrikulierte er sich an der Universität Kopenhagen, welche eine
starke geistliche Prägung besaß. Sich ursprünglich auf den ärztlichen
Beruf vorbereitend, studierte er auch Philosophie und Mathenatik,
welches ihn am meisten interessierte. Mit einem scharfen analytischen
Verstand ausgestattet und überdurchschnittlich begabt, verließ er im
Herbst 1659 Dänemark. Nun einige Monate in Rostock studierend,
wechselte er im Frühjahr 1660 nach Amsterdam, wo er nebenbei auch bei
einem Arzt arbeitete. Nun, 22 Jahre alt, machte er seine erste
bedeutende Entdeckung, nämlich den Ausführungsgang der
Ohrspeicheldrüse. Doch schon vier Monate später, am 27. Juli 1660,
immatrikulierte er sich in Leiden, wo er sich nun drei Jahr aufhielt.
Bis 1661 machte Stensen weitere Entdeckungen und konzentrierte sich in
seinem Forschen besonders auf Drüsen und Muskeln. Seit etwa 1663 mit
dem Philosophen Spinoza befreundet, kehrte er anfang 1664 nach
Kopenhagen zurück, erhielt jedoch durch die Universität Leiden noch am
4. Dezember 1664 den Doktor der Medizin.
Da er eine erhoffte Professur nicht erhalten hatte, ließ er sich nun
sein Erbe auszahlen und reiste noch im selben Jahr nach Frankreich.
Spätestens im Februar 1666 siedelte er dann nach Italien, wo ihm der
Großherzog von Florenz eine gesicherte Arbeitsstelle am Spital St.
Maria Nuova in Florenz verschaffte. Hier fand er schnell die Gunst der
Medici, Ferdinand II. und Cosimo III., welche ihm bis zu seinem Tode
freigiebige Gönner und Freunde blieben. Nachdem er zwischen 1668 und
1670 eine Studienreise durch Italien und Osteuropa unternommen hatte,
nahm er 1672, zu aller Erstaunen, einen einfachen Lehrauftrag in
Kopenhagen an, wo er am 13. Juli eintraf. Doch schon 1674 verließ er
Kopenhagen aufs Neue und reiste über Amsterdam und Leiden nach Florenz
zurück, wo er dann ab 1675 als einer der Erzieher des Erbprinzen tätig
wurde.
Bereits 1667 zur Katholischen Kirche konvertiert, erklärte der berühmte
Naturforscher, dessen Schritt großes Aufsehen erregt hatte, seinen
Schritt in einer Schrift selbst. Erste Kontakte zum Katholizismus fand
er nach dem verlassen seiner Heimat, also in seiner niederländischen
Zeit. Im Winter 1662/3 kam es zu einer ersten religiösen Krise, welche
er durch die Annahme des cartesianischen Weltbildes zu klären suchte.
Da er jedoch stets nach "Sicherheit" , und dies nicht nur in der
Wissenschaft, konnte er dessen Fehlerpunkte nicht ignorieren. Der
Parisaufenthalt (Winter 1664/65) förderte sein Interesse an religiösen
Fragen erneut, diesmal durch die katholische Umgebung angestoßen. Seine
von frühester Jugend an genährte Abneigung gegen alles Katholische
begann abzunehmen, zumal er hier beeindruckende Gestalten wie Pascal
kennenlernte. Auch seine "Wissenschaftsgläubigkeit" begann zu
schrumpfen. Die Fronleichnamsprozession in Livorno (24. Juni 1666)
brachte in ihm den Zweifel auf, ob denn ein so großer Teil der Christen
sich irren könne. Die Eucharistie wurde hierbei der Angelpunkt.
Gespräche mit Gelehrten, Bibel- und Dogmenstudium in griechischer und
hedräischer Sprache waren die Folge. Die Vielheit der protestantischen
"Sekten", welche einstmals alle Teil der einen katholischen Kirche
waren, gaben ihm dann den Rest.
Besondere Achtung genossen in Stensens Augen die Priester, welche in
besonderer Weise der Ehre Gottes dienen und sich dem Heil der Seelen
verpflichtet wissen. Selbst berühmt für seine hohe Moral, strebte er
nun immer tiefer in den Geist eines christlichen Lebens. Mit Erlaubnis
seines Beichtvaters entschied er sich nun selbst für den priesterlichen
Weg und wurde am 13. April 1675 (Karsamstag) zum Priester geweiht.
Erzbischof Nerli, der ihn geweiht hatte, nahm aus seinen Händen die
Gelübde der Jungfräulichkeit und der Armut entgegen, welche er
abzulegen wünschte. Das Gelübde "in allen Dingen immer das Vollkommener
zu tun" wurde ihm jedoch aufgrund seiner Schwere verweigert. Ohne
kirchliche Anstellung, immer noch Prinzenerzieher, war Stensen in den
folgenden zwei Jahren ein begehrter Beichtvater und Seelenführer in
Florenz. Gleichzeitig begann er mit der "Mission" unter den
Protestanten - mit Erfolg.
Am 2. August 1677 wurde Stensen, auf Wunsch des Herzogs von Hannover,
Apostolischer Vikar der Nordischen Missionen. So reiste er im Sommer
1677 nach Rom, wo ihn Papst Innozenz XI. am 13. September in Audienz
empfing und noch am gleichen Tag zum Titularerzbischof von Titiopolis
in Isauria ernannte. Am 19. September (Sonntag) zum Bischof geweiht,
Konsekrator war der Selige Kardinal GregorioBarberigo, Mitkonsekratoren
Francois Pallu und Pietro Antonio Capobianco. Am 28. September reiste
Stensen dann in seinen Sprengel ab.
Von 1677 bis 1680 in Hannover lebend, bat er zu Beginn des Jahres 1679
um die Abtrennung der Vikariate Magdeburg, Halberstadt, Bremen und
Mecklenburg, da diese aufgrund der enormen Größe des Gebietes von ihm
nicht mehr betreut werden konnten. Seinem Wunsch wurde am 15. Mai 1679
entsprochen. Selbst in Hannover Seelsorge betreibend und ausgedehnte
Reisen durch das Apostolische Vikariat unternehmend, lag sein
besonderes Augenmerk auf den Pfarrschulen und der Gewinnung
Andersgläubiger. Gemeinsam mit acht Personen führte er in seinem Haus
ein klösterliches Leben und gab seine beachtliche Pension, welche er
durch den Herzog erhielt, freigiebig an die Armen weiter.
Als 1680 erneut ein protestantischer Herzog die Regentschaft übernahm,
kam es erneut zu repressalien gegen katholische Geistliche, welche nun
kein Ordenskleid und keine Soutane mehr tragen dürft. So legte er sein
bischöfliches Gewandt ab und trug erneut einfache Weltpriesterkleidung.
Da ihm jedoch mit diesem Machtwechsel auch die Ausübung seiner
Tätigkeit unmöglich geworden war, wurde er am 7. Oktober 1680 zum
Weihbischof für das Bistum Münster ernannt. Zugleich verwaltete er
jedoch auch das Vikariat Lüneburg, die Hamburger Mission und das
Königreich Dänemark. Seine finanzielle Situation wurde durch die
Ernennung zum Pfarrer und Stiftsdechanten an St. Ludger, eine
Stiftspfarrei mit damals 2.000 Seelen, sichergestellt. Doch verzichtete
er bereits am 4. Oktober 1681 wieder auf das Dekanat, da es ihn in
seinen bischöflichen Tätigkeiten behinderte.
Wie in Hannover, so stellte auch sein münsteraner Haushalt eine Art
klösterliche Gemeinschaft dar, welche Matutin und Vesper gemeinsam
betete und auch Tischlesung hielt. Er fastete an drei Tagen die Woche,
später sogar an vieren. Sonn- und Feiertags besuchte er das Chorgebet
der Kathedrale. Laut seinem Kaplan predigte er oft bis zu dreimal
täglich und legte die Wegstrecken seiner Pastoralreisen zu Fuss zurück.
Oftmals sechs bis sieben Stunden. In den drei Jahren seiner
weihbischöflichen Tätigkeit hatte Stensen in fast 200 Pfarreien das
Sakrament der Firmung gespendet.
Im Jahre 1683 verließ Stensen seine Stellung als Weihbischof und ließ
sich als Apostolischer Vikar (erneute Ernennung am 25. Mai 1684) in
Hamburg nieder, wo er weder über eine eigene Wohnung, noch über
gesicherte Einkünfte verfügte. Er wohnte im Haus des toskanischen
Residenten und hatte unter den Verfolgungen der zerrissenen Gemeinde
mehr zu leiden, denn unter den Andersgläubigen (Katholisches Bekenntnis
war in Hamburg verboten.). Da im Hamburger Raum genügend Missionare
vorhanden waren, siedelte Stensen im Sommer 1685 nach Schwerin über, wo
er eine neue Gemeinde gründen konnte. Der Herzog erlaubte ihm dies als
einfachem Seelsorger, nicht jedoch als Bischof. Hier nahm er Wohnung
bei einem Konvertiten aus Hamburg, wo er bis zu seinem Tode am 12.
November 1686, nach fünfwöchigem Krankenlager, verblieb.
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