K o m m e n d e S t e r z i n g
I
Zuordnung
- Ballei an der Etsch und im Gebirge
- Bistum:
- Land:
II
Geschichte
Am 27. November 1254 übertrug die Stifterin des
Hospitals zu Sterzing, Adelhaid von Taufer, ihre Gründung dem Deutschen Orden.
Mit dieser Stiftung trat sie nicht nur selbst als Schwester in den Orden ein,
sondern auch die in ihm wirkenden Schwestern und Brüder. Nicht ohne Bedeutung
ist die Tatsache, dass mit dieser Stiftung zugleich die Pfarrkirche in den
Besitz des Deutschen Ordens kam. Zunächst dem Komtur von Bozen als Spittler
unterstellt, wurde es spätestens 1263 mit der Pfarrkirche verbunden, was es
auch bis 1809 blieb. Um diese Zeit muss das Haus auch seine Selbständigkeit
erlangt haben, finden wir doch erstmals 1263 und dann 1271 die Nennung eines
Präzeptors. Ihr Einkommen bezog die Kommende aus Zehnten und Pachteinkommen,
die in zahlreiche kleine Gründe unterteilt waren. Sie bestanden aus Natural- und
Geldleistungen. Um die Güter des Ordens nicht mit der Zeit zu entfremden, so
ging man seit dem 15. Jahrhundert dazu über diese periodisch zu vergeben.
Hierdurch konnte die Höhe der Pacht auch immer wieder neu ausgehandelt werden.
Faktisch handelte es sich also um eine zeitlich begrenzte Pacht. Für das Jahr
1454 ist hierbei von nicht weniger als 164 Gütern die Rede. Generell kann man
sagen, dass sich die Einnahmen aus den Gütern im Verlauf der Jahrhunderte
verringert hat. Wird die Kommende, die 1451 vier Ordensbrüder beherbergte, im
Jahr 1420 als baufällig und fast ohne Dach beschrieben, so kann man auch ihre
Ausstattung, im Vergleich, als äußerst dürftig umschreiben. Trotzdem wurde sie
im 15. Jahrhundert durch einen Westflügel und im 16. Jahrhundert durch einen
Ostflügel ergänzt. Da sich die Kommende in einer schlechten Finanzverfassung
befand, so gewährte ihr der Landkomtur 1568 ein Darlehn zum Wiederaufbau. Hatte
doch ein Brand sie 1566 stark beschädigt. Dieser machte das Gebäude so
unbewohnbar, dass der Komtur und die übrigen Brüder ein Haus in der Stadt
mieten mussten. Doch hatte sich die finanzielle Situation so weit gebessert,
dass die Kommende im 17. Jahrhundert im Geschmack des Barock ausgestattet
werden konnte. Schließlich wurde sie im Jahre 1752 noch einmal erweitert. Nicht
unwesentlich war für die Kommende die Seelsorge der Stadt. So spielte seit 1660
auch die Wohnung der Pfarrgeistlichen innerhalb der Kommende immer wieder eine
Rolle, welche ab 1656 aus einem Pfarrer und vier Kaplänen bestand. Schließlich
wurde die Wohnstatt der Geistlichen 1795 in ein Widum bei der Pfarrkirche
verlegt, die Kommende jedoch zu erheblichen Unterhaltszahlungen verpflichtet.
Zu den Einrichtungen der Kommende gehörte zudem eine Schule, an welcher neben
Kirchengesang auch die Freien Künste, Theologie und Scholastik gelehrt wurden.
Diese wurde bereits 1437 als „seit unfürdenklichen Zeiten“ bezeichnet. Der
Schulmeister, ursprünglich vom Orden gestellt, wurde seit dem 16. Jahrhundert
von der Stadt gestellt. Ein Vertag aus dem Jahre 1522 verpflichtete die Stadt
jedoch dazu, dass sie diesen dem Orden präsentiere. Noch im 17. Jahrhundert
wohnten der Schulmeister und drei Schüler in der Kommende. Die Kommende, welche
bereits im Mittelalter landständig wurde, bildete für die Ballei auch eine
steuerliche Belastung. Doch konnte es seine Steuerpflichten für gewöhnlich aus
eigener Kraft aufbringen. Betrachten wir den Hausstand der Kommende, so
erfassen wir 1539/40 sechzehn Personen als Dienstpersonal, was auch noch im 17.
Jahrhundert der Fall war. Hierzu kamen noch zahlreiche Personen, welche in der
eigenen Landwirtschaft tätig waren. Deren Unterkünfte waren so bescheiden, dass
die Kammer der Mägde sogar al Vorratskammer der Küche verwendet wurde. Generell
stellten die Visitatoren des Jahres 1670 fest, dass der Zustand des Hauses zwar
hinreichend komfortabel, jedoch keineswegs luxuriös sei. Auch wenn die Herren
mit vergoldetem Silberbesteck aßen, so waren die Teller immer noch aus Zinn.
Generell war man durchaus dem Luxus zugeneigt, wie diverse Accessoires es
zeigen, doch ließen die tatsächlichen Finanzen ein Leben im Luxus nicht zu.
Trotzddem blieb immer noch der Spielraum zur Repräsentation eines ständischen
Lebens. Während die Räumlichkeiten der Ordensherren den aristokratischen Stand
durchaus erfüllten, blieben die Räumlichkeiten der Geistlichen auf dem Niveau
alter Tage und sogar teilweise darunter. In den Folgen des Preßburger Friedens
wurde die Kommende 1811 aufgelöst, doch konnte sie bereits 1815 wiedererrichtet
werden.