K o m m e n d e W e i ß e n b u r g
I
Zuordnung
- Ballei: Elsass-Burgund
- Bistum: Bistum Speyer
- Land: Reichsstadt
Weissenburg, Frankreich (ab 1672)
II
Geschichte
Die
Kommende wurde wohl schon vor dem Jahr 1250
begründet, einem Jahr, in welchem auch die Kapelle der
Kommende erbaut wurde.
Bereits 1258 mit einem Präzeptor belegt, findet sich in der
Kommende ab 1261
ein Komtur, welchem im genannten Jahr wenigstens fünf weitere
Ordensbrüder
zugesellt waren. In dieser Zeit kommt es auch zu ersten
Besitzstreitigkeiten
mit umliegenden Nachbarn, was sicherlich auch daher rührte,
dass die Kommende
über keinen geschlossenen Besitzkomplex verfügte,
sondern über zahlreiche
Ortschaften begütert war. Dies änderte sich erst mit
dem Kauf von Burg und
Herrschaft Riedselz. Auch wenn die Kommende 1265 das Bestattungsrecht
für ihre
Ordensmitglieder in ihrer Kapelle, welche der heiligen Elisabeth
geweiht war
erlangte, so besaß sie doch keinen Seelsorgsauftrag in
Weissenburg. Dieser
begegnet uns erstmals 1357 in Leitersweiler, wo die Kommende eine
Pfarrei besaß.
Hierzu kam 1376 noch der Erwerb der Pfarrei Rülzheim und 1401
die Stiftung
einer Kaplanei in Riedselz. Zählte der Kommendenkonvent
1410/11 noch sieben
Ordensbrüder, davon drei Priesterbrüder, so sank die
Konventsstärke bis 1451
auf drei Ordensbrüder herab, ist für 1586 nur noch
mit zweien und 1630 mit
einem Ordensbruder belegt. Obwohl die Kommende keinen Seelsorgsauftrag
besaß,
muss sie doch von der Bevölkerung besucht worden sein. Mit
vier Altären
ausgestattet, besaß sie zudem keine eigenen Einkommen und war
bereits 1604
nicht mehr mit einem Priesterbruder besetzt. Statt dessen finden wir
jedoch
einen Kanoniker und zwei Vikare, welche die Gottesdienste besorgten.
Die
Kommendenbesitzungen wurden seit 1607 von einem Schaffner verwaltet,
was sie
jedoch nicht vor den Schäden des
Dreißigjährigen Krieges bewahrte. So lebten in
Weissenburg nach Kriegsende noch 140 von ehedem 1.000 Einwohnern. Ging
das
Tauziehen ursprünglich zwischen Schweden und dem Kaiser hin
und her, so
erschienen im Juli 1632 erstmals französische Truppen. Als
diese schließlich
weiterzogen, plünderten sie das Dorf Riedselz.
Schließlich erschienen wieder
die Schweden, welche gegen den Protest der Stadt die Kommende
inventarisierten.
Der Komtur, welcher sich in einem guten Einvernehmen mit der Stadt
befand,
lebte zu diesem Zeitpunkt im Barfüßerkloster zu
Hagenau, wohin er sich aufgrund
der politischen Umstände zurückgezogen hatte. Zwei
Jahre später lebte er jedoch
bereits wieder in der Kommende, wo er 1634 von schwedischen Truppen
überfallen
worden war. Diese setzten ihn nicht nur unter Arrest und pressten ihm
1.000 Gl
ab, sondern nahmen auch alles mit, was sich bewegen ließ.
Obwohl der
Friedensvertrag von Münster, welche die Stadt unter
französische Herrschaft
stellte, den Katholiken in der weitgehend lutherischen Stadt einiges an
Erleichterung brachte, nahm die Kommende für seine verlassenen
Höfe vor allem
protestantische Flüchtlinge an. Im Dezember 1672
übergab Ludwig XIV. die
Kommende dem Lazarusorden, wogegen die Ballei und der Hochmeister
protestierten. Trotzdem entschied der Hohe Rat zu Paris am 11. Mai 1686
für den
Lazarusorden, der sie am 14. September 1686 endgültig in
Besitz nahm. Am 30.
Oktober 1697 kam es durch den Friedensvertrag von Rijswijk zur
Rückerstattung
der Kommende an die Ballei Elsass-Burgund. Doch blieb sie faktisch noch
bis
1715 im Besitz des Lazaristenkomturs Bellecroix. Mit den Jahren wurde
das
Kommendengebäude unbewohnbar, was nicht nur an der mangelnden
Residenz der
Komture und den kriegerischen Auseinandersetzungen lag, sondern auch an
der
häufigen Fremdbelegung. So brach 1719, als König
Stanislaus Leszcinski von
Polen in der Kommende wohnte, ein Brand aus. Nachdem man
ursprünglich schon
1732 mit einem Neubau beginnen wollte, schritt man dann im
Frühjahr 1749
tatsächlich zum Baubeginn. Da Weissenburg eine
französische Stadt geworden war,
traf die Kommende die Französische Revolution mit voller
Wucht, so dass das
Gesetz zur Aufhebung der Klöster, im Oktober 1789, der
Kommende faktisch jede
Existenzgrundlage entriss.
III
Komture
N. N. (1258)
Theoderich (1261)
Anselmus (1262)
Heinrich (1264)
Cunradus de Grünenberg (1284-1290)
Berthold zu Gepzinstein (1306)
Alexander von Keffenbach (1312)
Rudolf von Fleckenstein (1319-1336)
Otto von Mühlhofen (1337, 1351)
Johann von Rothenstein (1358)
Siegfried von Venningen (1374)
Rüdiger von Dülken (1380)
Truschel von Wachenheim (1387)
Dietrich von Venningen (1390)
Johann von Ketze (1391)
Johann von Cropsberg (1391-1395)
Dietrich von Venningen (1395-1404)
Peter von Espelbach (1413-1416)
Jörge von Langeln (1484)
Oswald Zollner von der Hallburg (1486)
Balthasar von Stetten (1492, 1500)
Dieter von Mühlhausen (1501-1503)
Heinrich Marschall von Pappenheim (1507-1529)
Dietrich von Cleen (1526-1531)
Sigmund Stettner von von Haldermannstetten (1532-1542)
Wilhelm Knebel von Katzenelnbogen (1543-1553)
Georg Hond von Wenkheim (1553-1555)
Hans Hercules von Berlichingen (1556-1560)
Melchior Thermo (1564, 1565)
Konrad Knippinck (1565, 1571)
Philipp von Fleckenbühl (1572-1579)
Velten von Trohe (1582, 1583)
Heinrich von Bobenhausen (1585-1595)
Michael von Dankentschwil (1601-1606)
Ludolf Jacob von Breitenlandenberg (1613-1617)
Hans Georg von Reinstein (1617-1620)
Johann Paul von Flachslanden (1620, 1621)
Johann Rudolf von Buseck (1623-1625)
Wiguleus Hundt von Lauterbach (1626-1629)
Wilhelm von Gravenegg (1630-1634)
Johann Adolf Wendt zu Wiegenbrück (1649)
Wolf Jakob Holzapfel von Herxheim (1650-1657)
Johann Friedrich von Hall zu Ophoven (1662)
Johann Karl Wilderich von Frankenstein (1684-1686)
Johann Franz Ernst von und zu Weichs (1692-1695)
Philipp Karl Waldecker von Kempf (1731-1734)
Georg Friedrich von u. zu der Tann (1735)
Franz Anton von Bibra (1737)
Franz Ignaz Felix von Roll zu Bernau (1745-1750)
Joseph
Maria Marquard Roth von Schreckenstein (1756-1784)