Katholische Ostkirchen II
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Russisch-Katholische Kirche


Kurzbeschreibung

Verbreitung:  3.500 Gläubige (31 Gemeinden)  in Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Kanada, Niederlande, Polen, Russland, USA
Kirchenverwaltung: 2 Exarchate (beide Vakant)
Sitz: Gemeinden unterstehen dem jeweiligen lateinischen Ortsbischof
Kirchensprache: Russisch, Altslavisch
Kalender: Julianisch


Im frühen 20. Jahrhundert versuchte man mehrfach in Russland eine unierte Ostkirche nach dem Vorbild der Ukrainisch-Katholischen Kirche zu gründen, was jedoch erst 1917 gelang. Aufgrund der historischen Ereignisse ging diese jedoch schon bald wieder unter. 1928 gelang in Harbin (China) die erneute Gründung einer Gemeinde durch Exilrussen, doch war auch diese Gründung nicht von langer Dauer. Doch leben noch heute in den USA verschiedene Gemeinden, welche sich zur Russisch-Katholischen Kirche rechnen und auf die Gründung in Harbin zurückführen. Mit dem Fall des Kommunismus kam es 1994 zu einem weiteren Gründungsversuch durch polnische Priester, was jedoch zu schweren Konflikten mit der Russisch-Orthodoxen Kirche führte und 1995 wieder eingestellt wurde.


B I S T Ü M E R

China:
Apostolisches Exarchat Harbin (unbesetzt)

Russland: Apostolisches Exarchat Moskau (unbesetzt)


Ruthenisch-Katholische Kirche
Kurzbeschreibung
Verbreitung:  533.000 Gläubige in der Ukraine (1 % der Gesamtbevölkerung), USA und Tschechien
Kirchenverwaltung: Bistum
Sitz: Uzhorod (Ukraine)
Kirchensprache: Slowakisch, Ukrainisch
Kalender: Julianisch


Man unterscheidet im 17. Jh. im ehemaligen polnischen Königreich und in Siebenbürgen drei Unionskirchen: jene der Ukrainer in den Diözesen Galiziens und Wolhyniens (die Brester Union von 1596), jene der gemischtsprachigen Bevölkerung in der heutigen Karpatho-Ukraine des Gebietes von Mukacevo (Ushoroder Union von 1646) und jene im habsburgisch gewordenen Siebenbürgen (Karlsburger Union = Alba Iulia von 1700).

Für das Zustandekommen der Uzhoroder Union war vor allem der Bischof von Eger verantwortlich, um die orthodoxen Slowaken, Ruthenen (damals die Bevölkerung im Bergland, die man heute Huzulen nennt) und Ukrainer beiderseits der Ostkarpathen nicht der Missionierung durch kalvinische ungarische Gemeinden preiszugeben, die mit Billigung der antihabsburgischen ungarischen Magnaten versuchten, im Nordosten eine neue Machtbasis für die ungarischen Nationalisten aufzubauen.

Durch die Union von Uzhorod und die folgende gründliche pastorale Betreuung der Bevölkerung, die im Interesse der habsburgischen Landesherrn lag, wurde diese Region de facto weitgehend zu einem katholischen Land. Lediglich in den Bergbaugebieten der Ostslowakei, wo Deutsche angesiedelt waren, und in den ungarischen Siedlungsgebieten lebten einige lutherische bzw. reformierte Gruppierungen. Die heutigen orthodoxen Gemeinden der Karpatho-Ukraine sind erst im 18./19. Jh. wieder gegründet worden.

Die Unierten beklagten sich ab der Mitte des 18. Jh.s daher über die schleichende Latinisierung ihrer Liturgie: ihr Bischof unterstand als Vikar dem lateinischen Diözesanbischof, ihre Priester waren den lateinischen Pfarrern als Kapläne zugeteilt. Kaiserin Maria Theresia veranlasste Papst Clemens XIV. (1770 – 1774), nach einer Lösung zu suchen, die aber erst unter Papst Pius VI. (1775 – 1799) gefunden wurde. Seither gibt es die unierte Eparchie. 1778 wurde ein eigenes Priesterseminar in Mukacevo errichtet.

1918 wurde die ruthenische unierte Kirche Teil der Tschechoslowakei. 1945 kam das gesamte Gebiet zur Sowjetunion, nur das Gebiet von Presov blieb bei der Slowakei. Die unierten Ruthenen erlitten dasselbe schwere Schicksal wie ihre ukrainischen Glaubensbrüder. Sie wurden zwangsweise der orthodoxen Kirche eingegliedert und als Kirche abgeschafft. Die CSSR agierte ähnlich. Erst 1991 konnte sich die Eparchie von Mukacevo wieder neu gründen und mit dem Aufbau der Kirche dort fortfahren, wo man 1946 unterbrochen wurde. Ohne größere Probleme erhielt die Kirche vom jungen ukrainischen Staat einen Teil ihres alten Besitzes zurück und konnte das Seminar in Uzhorod wieder eröffnen.

Die etwa 500.000 Gläubigen der ruthenischen Kirche lehnen sich seither eng an die Kirche der ukrainischen Katholiken an, vermeiden es aber nach Möglichkeit, mit ihr verwechselt oder von ihr aufgesogen zu werden. Immerhin halten die Bischöfe beider Kirchen gemeinsame Synoden ab und versuchen vor allem die Ruthenen, auf pastoralem Weg den schwierigen Schritt in die Moderne zu gehen, indem sie sich aus der ukrainischen Politik heraushalten.

Die die massiven Auswanderungsbewegungen am Beginn und um die Mitte des 20. Jh.s existiert in Übersee eine große ruthenische Gemeinde, die jedoch mehr durch ihre Vielfalt und Interessensgegensätze bekannt geworden ist, was dazu geführt hat, dass sich einzelne Gemeinden wiederholt in orthodoxe Diözesen integrieren ließen.


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Slovakei:
Eparchie Presov, Eparchie Kosice

Tschechien: Exarchat Tschechien

Ukraine: Eparchie Mukacheve

Ungarn: Apostolisches Exarchat Miskolc

USA:

  1. Erzeparchie Pittsburgh: Eparchie Parma, Eparchie Passaic, Eparchie Van Nuys

Slawische Katholische Kirche
Kurzbeschreibung
Verbreitung:  49.000 Gläubige in den Republiken des ehemaligen Jugoslawien
Kirchenverwaltung: Bistum
Sitz: Krizevci/Zagreb (Kroatien)
Kirchensprache: Kroatisch, Altkirchenslawisch
Kalender: Gregorianisch


Historisch gesehen ist die Existenz der unierten Diözese von Krizevci (Kreutz) innerhalb Kroatiens, aber neben der katholischen Kirche Kroatiens ein Phänomen, das nur durch die Zustände erklärt werden kann, die seit dem 16. Jh. entlang der habsburgischen Militärgrenze geherrscht haben.

Seit dem späten 15. Jh. ließen sich entlang der mittleren Donau, der Save und der unteren Drau immer wieder einzelne Gruppen orthodoxer Gläubiger nieder, die nicht länger unter osmanischer Herrschaft leben wollten. Sie fanden als Fuhrunternehmer, Geschäftsleute oder Soldaten (Uskoken, Hajduken) alsbald ein privilegiertes Auskommen, doch fehlte es an spiritueller Betreuung dieser meist orthodoxen Gruppen.

Im Zuge der seit Mitte des 16. Jh.s aufkommenden Unionsbewegungen (Chaldäer, Albaner, Ukrainer usw.) war es dem Borghesepapst Paul V. (1605 – 1621) ein Anliegen, auch für sie einen Bischof zu ernennen, um diese orthodoxen Untertanen der ungarischen Krone in die römische Kirche aufzunehmen. Er wurde als Vikar beim Erzbischof von Zagreb installiert. Das bedeutete mittelfristig dieselben Probleme mit der Jurisdiktion, der pastoralen Betreuung und der Ausbildung einer neuen Identität wie in allen anderen Unionskirchen.

Maria Theresia war auch in diesem Fall die treibende Kraft, weshalb Papst Pius VI. 1777 die unierte Diözese von Krizevci errichten ließ, sie zunächst dem Erzbischof von Ezstergom unterstellte, ehe sie 1853 Zagreb wieder angegliedert wurde. 1918 wurde das gesamte Staatsgebiet des neuen Jugoslawiens als Diözesangrenze definiert, was dazu führte, dass man in Kreutz plötzlich auch für die Ruthenen, Slowaken oder Ukrainer der Vojvodina, aber auch für die unierten Rumänen (im Timokgebiet und im Südbanat), Mazedonier (in Skopje) und Albaner (Kosovo) zuständig und vollkommen überfordert war.

Durch eine umsichtige Führung gelang es aber, diese Gegensätze rasch zu versöhnen, respektive nach 1945 daraus Kapital zu schlagen, weil man plötzlich als beispielgebend für die völkerverbindende Idee des Jugoslawismus herhalten konnte und im Gegensatz zur belasteten katholischen Kirche Kroatiens vom Staat gewisse Erleichterung bekam.

Im Herbst 2003 wurde für Serbien-Montenegro ein eigenes Exarchat im Dorf Ruski Krstur (in der Nähe von Novi Sad) errichtet. Zum Apostolischen Exarchen wurde Djura Dzudzar bestellt.


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Kroatien:
zur römisch-katholischen Kirchenprovinz Zagreb: Bistum Krizeviki


Slowakisch-Katholische Kirche
Kurzbeschreibung
Verbreitung: 222.000 Gläubige in der Slowakei und Tschechien (4,5 % der Gesamtbevölkerung), sowie in der Diaspora in Kanada
Kirchenverwaltung: Bistum
Sitz: Presov, Kosice (Slowakei)
Kirchensprache: Slowakisch, Ukrainisch
Kalender: Julianisch


Die Situation in der Slowakei ist dadurch geprägt, dass die Problematik einer Unionskirche erst nach 1918 entstand, als viele Gläubige der Uzhoroder Union plötzlich nicht mehr Bürger der Habsburgermonarchie, sondern auf verschiedene Staaten aufgeteilt waren.
Deshalb ging der tschechoslowakische Staat pragmatisch vor und unterstellte alle Unierten im Osten der Slowakei dem katholischen Erzbischof von Presov.

Erst 1937 kam es nach vielen Eingaben, unglücklichen Verhandlungen und gegenseitigen Verwundungen zur pastoralen Trennung von Unierten und lateinischen Katholiken. 1945 kamen die unierten Gemeinden in den Regionen jenseits der Karpathen durch die politischen Umgestaltungen zur Sowjetunion und wurden dort wie die ukrainischen und ruthenischen Unierten der orthodoxen Kirche angeschlossen. In der CSSR blieb die Diözese von Presov erhalten. Erkennbar sind die Ruthenen in der Slowakei heute nur noch in jenen Dörfern, in denen die kirchenslawische Liturgiesprache gepflegt wird.

1950 wurde aber auch in Presov der Druck der Kommunisten so groß, dass man die Union mit Rom kündigte und sich freiwillig der orthodoxen Landeskirche unterstellte, die innerhalb des orthodoxen Moskauer Patriarchates autonom war. 1968 brachte es der Prager Frühling mit sich, dass man diese Zwangsverbindung wieder aufgab und erhalten konnte. So existierte seit 1969 zwar in der CSSR eine Unionskirche, nicht aber in der Sowjetunion.

Überraschend problemlos erfolgte ab 1990 die Rückerstattung der beschlagnahmten Besitzungen der Unierten, weil der slowakische Staat offenbar in den wenigen Unierten eine Art versteckter Nationalkirche sah.

Derzeit gibt es in der Slowakei zwei Bistümer der slowakisch-katholischen Kirche - die Eparchie von Presov und das Exarchat von Kosice. Es wird eine neue kirchenrechtliche Ordnung des byzantinischen Ritus in der Slowakei erwartet. Dzt. gibt es zwei Oberhäupter: den Bischof von Presov und den Bischof von Kosice.

Das Apostolische Exarchat von Kosice (Kaschau) wurde am 21. Februar 1997 gegründet. Zum Kaschauer Exarchat (Bistum) gehören Katholiken des byzantinischen Ritus, die im Kaschauer Bezirk (Kosice) wohnhaft sind. Der Rest der Slowakei gehört zur Presover Eparchie.


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Kanada:
Eparchie Saints Cyril and Methodius of Toronto (Sitz: Unionsville)

Slowakei: Apostolisches Exarchat Kosice, Eparchie Presov

Tschechien: Apostolisches Exarchat Prag


Ukrainisch-Katholische Kirche
Kurzbeschreibung
Verbreitung: Ukraine (10 % der Bevölkerung), Diaspora in Europa, USA, Kanada und Australien
Kirchenverwaltung: Großerzbistum
Sitz: Kiew, ehemals Lemberg (Ukraine)
Kirchensprache: Ukrainisch
Kalender: Julianisch


Die politischen Voraussetzungen
Als im 12./13. Jh. die seit dem 11. Jh. von Konstantinopel aus christianisierten Fürstentümer der Kiever Rus´ ihren inneren Zusammenhang verloren und begannen, getrennte Wege zu gehen, wurden zunächst drei Linien erkennbar. Die Fürstentümer im Waldland des Nordens und Ostens zum Ural hin kamen um die Mitte des 13. Jh.s unter die Herrschaft der westmongolischen Kha-nate und leiteten aus ihrem Unabhängigkeitskampf aus dem 15. Jh. ein neues Selbstbewusstsein ab, aus dem sich langfristig die russische Staatlichkeit und die russisch-orthodoxe Kirche entwickelten. Die Fürstentümer im Südwesten, etwa Kiev, Galizien (Halic) und Wolhynien kamen in den Einflussbereich der polnischen Krone und fügten sich einer schrittweisen Annäherung an die westliche Welt (Übernahme der deutschen Stadtrechte, europäischer Architektur oder Lebensgewohnheiten).

Die Fürstentümer im Nordwesten gerieten dagegen in den noch heidnisch litauischen Machtbereich, kamen aber mit Verspätung durch die politische Annäherung zwischen Polen und Litauen gleichfalls in den Einflussbereich der polnisch-katholischen Kultur, was im 15./16. Jh. freilich keinen Einfluss auf die orthodoxe Religion des Volkes hatte.

Für die orthodoxe Kirche bedeuteten die Verlegung des Metropolitansitzes von Kiev nach Moskau im 14. Jh. und die politische Herrschaft durch die katholischen Könige Polens eine doppelte Herausforderung, die zugleich den Keim der allmählichen Entfremdung in sich trug. Darüber hinaus wurde diese schwierige Lage durch die Herrschaft der Osmanen in Konstantinopel (seit 1453), die Aktivitäten der Kirchen der Reformation und jene der katholischen Gegenreformation im 16./17. Jh. weiter verschärft, weil die orthodoxe Hierarchie auf diese Umbrüche nicht vorbereitet war und erkennen musste, dass der Druck zur Anpassung an die veränderten Rahmenbedingungen immer stärker wurde.

Die Bischofssynoden der orthodoxen Landeskirchen in Konstantinopel, Moskau und Kiev reagierten daher Ende des 16. Jh.s mit unterschiedlichen Lösungsansätzen auf diese Herausforderungen. Sie mussten sich am politischen Umfeld orientieren und darauf Rücksicht nehmen. Das bedeutete für den Ökumenischen Patriarchen Jeremias II. ein großes Risiko, das ihn einmal ins Gefängnis brachte (weil er 1582 mit dem römischen Papst ohne Wissen des Sultans Kontakte aufgenommen hatte) und ein anderes Mal zwang, gegen seinen Willen den Moskoviter Metropoliten Iob zum Patriarchen zu erheben (man hatte ihn 1589 während seines Besuches in Moskau wieder in Gefangenschaft genommen). Auch seine Maßnahmen in Kiev (Stärkung des Einflusses der Laien auf Kosten des Klerus) trugen mehr zur Verschärfung und weniger zur Entspannung der ohnedies schwierigen Lage der Orthodoxen unter einem katholilschen Staatsoberhaupt bei.

Die Reaktionen der ukrainischen Bischöfe
Deshalb konnte man es den orthodoxen Bischöfen in Kiev, Przemysl, Lemberg, Chelm, Brest oder Grodno nicht verdenken, dass sie 1590 begannen, einen Ausweg zu suchen, der unter Wahrung der vielfältigen Interessen aller beteiligten Gruppen zu einem tragfähigen Kompromiss werden konnte. Als politischen Mentor wählten sie Fürst Konstantin von Ostrog, der aufgrund seiner Erziehung nicht nur Weltoffenheit, sondern auch einen gewissen Weitblick signalisierte, also am ehesten geeignet schien, die Interessen der orthodoxen Untertanen gegenüber der polnischen Krone wirksam vertreten zu können.

Inhaltlich orientierte man sich seitens der ukrainischen Bischöfe an den Beschlüssen des Konzils von Florenz (1439), an dem Metropolit Isidor von Kiev als Vertreter der slawischen Orthodoxie teilgenommen hatte. Obwohl sein Vorbild nicht zur Nachahmung geeignet war, weil er am Ende die Seiten wechselte und in Rom Kardinal wurde, suchte man 1590 – 1595 nicht nur den Ausgleich mit dem polnischen König Sigismund III., sondern auch mit der römischen Kirche.

Die politische Union zwischen Polen und Litauen war 1569 in Lublin erfolgt. Darin hatte die orthodoxe Kirche anders als der Adel keine gemeinsame Handlungsfähigkeit erhalten. Man hatte innerhalb des Episkopats nicht einmal das Bedürfnis empfunden, gemeinsame orthodoxe Handlungen zu setzen. Die unter polnischer Herrschaft stehenden Bischöfe haben sich jedoch als autorisiert betrachtet, die sakramentale Gemeinschaft mit der polnischen katholischen Kirche aufzunehmen, die ihrerseits eine sakramentale Gemeinschaft mit den bisherigen orthodoxen Brüdern nicht ausschloss. Beide Seiten empfanden um 1590, dass sie eine Brücke zwischen zwei getrennten Kirchen bilden könnten.

Nach einer kirchenrechtlichen Entwicklung, die 200 Jahre später einsetzte, hat man die Trennung der beiden Kirchen ernster genommen - und zwar auf beiden Seiten. Manche werfen der Union noch heute den Verstoß gegen ein Kirchenrecht vor, das zur damaligen Zeit nicht in der heutigen Form interpretiert wurde.

Die katholische und die orthodoxe Kirche in der Ukraine unterschieden sich seit ihrer Trennung im 17. Jh. im Laufe der Zeit also auch dort, wo sie einander ähnlich geblieben sind. So etwa könnte man die Schwierigkeiten charakterisieren, von denen die Diskussion zwischen diesen beiden Kirchen seit 300 Jahren geprägt ist. Die wahren sachlichen Unterschiede bestehen in der Theologie der Sakramente und in der Ekklesiologie - der Lehre von der Kirche und ihrer Gestalt.

Auf katholischer Seite steht die These, dass das Petrusamt von Christus gestiftet in seiner derzeitigen Gestalt - mit Unfehlbarkeit und Jurisdiktionsprimat - ein grundlegendes Element der Ekklesiologie ist. Umgekehrt heißt es von orthodoxer Seite, die Katholiken hätten seit dem 12. Jh. das Papstamt erfunden und sind damit von der Kirche abgefallen. Solange auf dieser Basis debattiert wird, besteht keine Aussicht, sich im Glauben und im sakramentalem Leben je wieder zu vereinigen.

Die entscheidende Weichenstellung erfolgte in Rom. In der Zeit nach dem Tridentinum (1545 – 1563) wurde in der katholischen Kirche der administrative Zentralismus ausgebaut, um den anstehenden Reformen zum Durchbruch zu verhelfen. Als sich kleine Gruppen von Orthodoxen in Süditalien der katholischen Kirche anschlossen, wollte man sie derselben Administration unterstellen und habe sie dem römischen Patriarchat eingegliedert, ohne zu berücksichtigen, dass man Gläubige eines anderen Patriarchates "in ganz anderer Weise in die katholische Einheit einführen" müsste, eben nach dem Modell der Union von Florenz, wie das auch die ukrainischen Bischöfe planten.

Die Brester Union von 1596
Eigentlich begann alles mit dem Ansuchen das Petrus Mogila/Mohila als Erzbischof der Moldau im Jänner 1589 an den röm.-kath. Erzbischof Johann Solikowski von Lemberg gerichtet und die-ser an Papst Sixtus V. weiter geleitet hatte, nämlich die Bitte um ein künftige Kirchengemeinschaft. Das traf sich mit den Entwicklungen, die man in Rom seit 1555 mit der Union der Chaldäer eingeleitet, in Süditalien mit den orthodoxen Griechen und Albanern 1571 und mit den Synoden von Brest (1596) und Diamper (Indien, 1599) fortgesetzt hatte. Zugleich war in Rom im 16. Jh. das Bild von der römischen Weltkirche entstanden, der andere „Kirchen“ als Teilkirchen beitreten konnten, aber nicht mehr als gleichrangig galten.

Mit der Verpflichtung zur Reform im eigenen Bereich sah die römisch-katholische Kirche seit dem Tridentinum eine Möglichkeit, auch andere (orthodoxe) Diözesen an diesem Prozess teilnehmen zu lassen, um sie auf diesem Weg in die Weltkirche zu integrieren. Man sah darin ein Mittel, einen dynamischen Einigungsprozess einzuleiten, der am Ende alle orthodoxen Kirchen erfassen sollte und in Rom tatsächlich als Standpunkt bis ins 19. Jh. vertreten wurde. Das Ziel war die Latinisierung, was alle Orthodoxen bis heute bitter beklagen.
Daher kann man den beteiligten ukrainischen Bischöfen (namentlich Kirill Terleckij von Luck und Adam-Ipatij Potij von Brest, die 1595 nach Rom entsandt wurden), deren Diözesen im Königreich Polen-Litauen lagen, nicht vorwerfen, dass sie diese Entwicklungen in ihren Überlegun-gen nicht bedacht hatten.

Vielmehr wurden sie – wie auch die späteren Gegner der Union, nämlich Gideon Balaban von Lemberg, Mihail Kopystenskij von Przemysl und Fürst Konstantin von Ostrog – ursprünglich von den oben beschriebenen Maßnahmen des Ökumenischen Patriarchen Jeremias II. in Moskau und Kiev zum Handeln gezwungen. Zugleich wussten sie, dass Papst Gregor XIII. in seinen Reformbestrebungen auch wieder am Konzil von Florenz orientiert hatte, nicht aber, dass sich un-ter Sixtus V. und Klemens VIII. die Verhältnisse geändert hatten.

Die ukrainischen Bischöfe strebten im Wesentlichen drei Punkte an, der Latinisierung zu entgehen, wenn sie weiterhin Untertanen der polnischen Krone blieben; nicht unter die Jurisdiktion des neuen Patriarchates von Moskau zu geraten, das ihre bisherige Eigenständigkeit gefährdete; und vor allem dieselben Rechte wie der römisch-katholische Klerus im Königreich Polen-Litauen. Sie boten im Gegenzug die Einheit der Kirche nach einem Modell an, das außer ihnen niemand beachtete, weil sich die ekklesiologischen Rahmenbedingungen in Rom verändert hatten. Sie wollten ein Teil der orthodoxen Kirche bleiben und ihre Verbindungen zum Ökumenischen Patriarchat aufrecht erhalten, während sie gleichzeitig sanft in die römische Kirche integriert wurden und ihre politischen Rechte gegenüber der polnischen Krone sicherten. Dadurch glaubten sie, ihre Privilegien retten und schmerzhafte Einschnitte in das bestehende System verhindern zu können.

Diese ekklesiologischen Fragen spielen in den Diskussionen zwischen der ukrainisch-katholischen und der orthodoxen Kirche bis heute eine Rolle - ohne die nationalen und politischen Aspekte dieses Problems zu vergessen. Jedenfalls hatte Rom andere Pläne, von denen sich im Herbst 1595 die beiden Bischöfe Kirill und Ipatij während ihres Besuches in Rom überzeugen ließen, wodurch sie mit einem völlig anderen Ergebnis nach Hause zurückkehrten, das ihren ursprünglichen Auftrag ins Gegenteil verkehrt hatte. Daher gab es im Herbst 1596 zwei getrennte Synoden der Befürworter und Gegner der Brester Union, war also von Anfang an jenes Ergebnis bei allen Bemühungen herausgekommen, das man auf jeden Fall zu vermeiden versucht hatte.

Die Kirchen bleiben getrennt und haben einen zusätzlichen Streitpunkt
Im Laufe des 17. Jh.s stellte sich heraus, dass weder die römisch-katholische Kirche noch die neue „unierte“ Kirche oder die weiterhin bestehende orthodoxe Kirche eine wirkliche Freude mit der neuen Situation hatten. Zwar verlagerten sich die Problemfelder auf die regionalen Ebenen und in die Niederungen der Politik, doch die Gräben, die dabei aufgerissen wurden, belasten bis heute das Klima, oft nachhaltiger und intensiver, als man im Westen überhaupt noch glauben kann. In den einzelnen Diözesen gab es ein generationenlanges Tauziehen um die Pfründe der Bischöfe, den Besitz der Kirchengebäude, Residenzen und die Steuern, in dem die Unierten nur überleben konnten, weil der lateinische Klerus ein schlechtes Gewissen hatte und die Könige Polens, allen voran Jan II. Kazimir (1648 – 1668) und Jan III. Sobieski (1674 – 1696) wiederholt hilfreich mithalfen, die labilen pastoralen Strukturen dadurch zu festigen, dass man orthodoxe Bischöfe mit der Aussicht auf spezielle Privilegien ins Lager der Unierte lockte.

Ende des 18. Jh. gerieten infolge der drei polnischen Teilungen die Unierten erneut zwischen alle Fronten, weil in jenen Gebieten (Luck, Brest, Kiev), die zur russischen Krone kamen, umgehend eine weitreichende Russifizierung einsetzte, die 1839 unter Zar Nikolaus I. mit der Aufhebung der unierten Kirche und ihrer Wiedereingliederung in die orthodoxe Kirche endete; in jenen (wenigen) Gebieten (südliches Ostpreußen), die zu Preußen kamen, die Unierten umfangreiche Behinderungen ihrer pastoralen Arbeit hinnehmen mussten und bis 1918 mehr aus der Gesellschaft hinausgedrängt als in sie integriert waren; und nur in Galizien (Lemberg, Ivano-Frankivsk und Przemysl) unter österreichischer Herrschaft ein gedeihliches Miteinander und eine Entspannung möglich war, was letzten Endes wesentlich dazu beigetragen hatte, dass sich über das Bildungswesen unter den Unierten jenes ukrainische (von den Österreichern als ruthenisch bezeichnete) Nationalbewusstsein entwickeln konnte, aus dem im 19. Jh. die Grundlagen für die heutige Unkraine entstanden.

Im 20. Jh. veränderten sich die Rahmenbedingungen erneut, weil mit dem Untergang der österreichisch-ungarischen Monarchie Galizien ein Teil der neuen polnischen Republik wurde und nach dem Zweiten Weltkrieg der überwiegende Teil aller Gläubigen der ukrainisch-katholischen Kirche Bürger der Sovjetunion wurden. Das bedeutete 1946 vorübergehend den Untergang der ukrainisch-katholischen Kirche, die auf Geheiß Stalins mit der orthodoxen Kirche analog den Vorgängen von 1839 zwangsvereinigt wurde. Großerzbischof Josef Slipyj verschwand wie viele andere Bischofe und Priester in Sibirien, durfte jedoch nach langem geduldigen Wirken der vatikanischen Diplomatie 1963 nach Rom ausreisen, wo ihn Papst Johannes XXIII. mit großer Demut und Freude empfing.

Die Reliquien des hl. Josaphat (Josaphat Konzewytsch 1580–1623), der seinen Einsatz für die Kirchenunion mit einem grausamen Tod bezahlen musste und 1867 von Papst Leo XIII. heilig gesprochen wurde, kamen nach dem Ersten Weltkrieg auf recht abenteuerliche Weise nach Wien und wurden ebenso spektakulär 1949 vor der sowjetischen Besatzungsmacht nach Rom in Sicherheit gebracht.

Die Katholiken der Ukraine heute
Die Wiederherstellung des Zustandes aus der Zeit vor 1946 ist im modernen ukrainischen Staat auf keinen Fall eine Lösung, weder in theologischer Hinsicht noch im Blick auf die Ökumene. Es ist langfristig für den inneren Frieden und den Zusammenhalt des Staates notwendig, einen Ausgleich zu finden.

Von ekklesiologischer Seite bietet das II. Vatikanum eine Lösung an, die allerdings noch viel zu wenig bekannt ist und von den Beteiligten noch zu wenig diskutiert wird, obwohl Großerzbischof Lubomyr Husar von Lemberg immer wieder diesen Punkt anspricht. Das Konzil hat eine Rechtssituation wiederhergestellt, die den Status der ukrainisch-katholischen Kirche in der Mitte zwischen der römischen und der orthodoxen Kirche wieder ermöglicht und die These von der strikten Trennung nicht erhärtet.

So könnte sich die Jugend, die in kommunistischer Zeit zum Teil in die Orthodoxie hineingewachsen ist, gleichzeitig mit Moskau und Rom verbunden fühlen. Der Moskauer Patriarch Alexej I. hat 1964 eine Lösung beschlossen, die in die gleiche Richtung ging: die Möglichkeiten für Orthodoxe und unierte Katholiken zur Teilnahme an der Eucharistie in der jeweils anderen Konfession ohne Infragestellung der eigenen Kirchenzugehörigkeit zu gestatten. Vor allem die griechisch-orthodoxe Kirche hatte damals den Patriarchen gezwungen, die Lösung wieder rückgängig zu machen. Aber auch die Führer der katholischen Ukrainer in der Diaspora (500.000 katholische Ukrainer leben seit 1945/6 in den USA, 60.000 in Kanada, 150.000 in ganz Europa) hatten mit dieser Regelung keine Freude.

Erst der Besuch des sowjetischen Staatsoberhauptes Gorbatschow am 1. Dezember 1989 brachte für die Unierten in der Ukraine den ersehnten Durchbruch, der sich seit 1980 abgezeichnet hatte, aber von den Sowjets lange nicht zugegeben werden konnte, nachdem man ernüchtert feststellen musste, dass es 1946 – 1980 nicht gelungen war, die ukrainisch-katholische Kirche zu vernichten, sondern dass sie stattdessen im Untergrund ein derart reges Eigenleben entfaltet hatte, dass ihre Existenz nicht mehr geleugnet werden konnte.

Aus den Kreisen der seit 1990 wieder zugelassenen und gut organisierten ukrainisch-katholischen Kirche kamen daher 1991 wesentliche Impulse für die Unabhängigkeit des ukrainischen Staates, dessen Stabilisierung, wenn auch das Zusammenleben zwischen Orthodoxen und Katholiken in der Ukraine seither nicht leichter geworden ist. Die Katholiken leben konzentriert im Westen des Landes, während nach Osten hin die Orthodoxen nicht nur die Mehrheit haben, sondern auch die Mehrheit der ethnischen Russen unter den Orthodoxen zunimmt.

Jedenfalls konnte Großerzbischof Miroslav Lubatschivskyj 1992 nach Lemberg zurückkehren, Seminare und Bildungseinrichtungen errichten, das pastorale Leben der Katholiken erneuern und durch sein Wirken, das von seinem Nachfolger Lubomyr Husar, den Bischöfen und Pfarrern der ukrainisch-katholischen Kirche fortgesetzt wird, der Ukraine und ihrer Selbständigkeit einen wichtigen Baustein einfügen.


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Argentinien:
zur römisch-katholischen Kirchenprovinz Buenos Aires: Eparchie Santa María del Patrocinio en Buenos Aires

Australien: zur römisch-katholischen Kirchenprovinz Melbourn, Australien: Eparchie Saints Peter and Paul of Melbourne

Brasilien: zur römisch-katholischen Kirchenprovinz Curitiba, Brasilien: Eparchie São João Batista em Curitiba

Deutschland: Apostolisches Exarchat Deutschland (Sitz: München)

Frankreich: Apostolisches Exarchat Frankreich (Sitz: Paris)

Großbritannien: Apostolisches Exarchat Großbritannien (Sitz: London)

Kanada:

  1. Erzeparchie Winnipeg: Eparchie Edmonton, Eparchie New Westminster, Eparchie Saskatoon, Eparchie Toronto

Polen:

  1. Erzeparchie Przemysl-Warschau: Eparchie Breslau-Danzig

Ukraine: Erzeparchie Donets'k-Kharkiv, Apostolisches Exarchat Kyiv-Vyshhorod, Apostolisches Exarchat Odessa-Krym

  1. Großerzbistum Kiew und Galizien
  2. Erzbistum Lemberg: Eparchie Bucac, Eparchie Ivano-Frankivsk, Eparchie Kolomyia-Chernivtsi, Eparchie Sambir-Drohobych, Eparchie Sokal, Eparchie Stryj, Eparchie Ternopil-Zboriv

(Das Großerzbistum Lemberg wurde am 21. August 2005 nach Kiew verlegt.)

USA:

  1. Erzeparchie Philadelphia: Eparchie Saint Josaphat in Parma, Eparchie Saint Nicolas of Chicago, Eparchie Stamford

Ungarisch-Katholische Kirche
Kurzbeschreibung
Verbreitung: 282.000 Gläubige in Ungarn (2% der Gesamtbevölkerung)
Kirchenverwaltung: Bistum
Sitz: Nyiregyhaza (Ungarn)
Kirchensprache: Slowakisch, Ukrainisch, Ungarisch
Kalender: Julianisch


Im Osten der heutigen Republik Ungarn, im Gebiet von Hajdudorog und Nyiregyhaza, siedelten sich am Beginn des 18. Jh.s zahlreiche orthodoxe Rumänen, Ruthenen, Ukrainer und vereinzelt Serben an, nachdem die von den Osmanen im 17. Jh. angesiedelten türkischen Sipahis (feudaladelige Militärkommandanten mit ihrem Gefolge) abgezogen waren. Nach der Gründung der beiden Unionskirchen von Ushorod (1648) und Alba Iulia (1698) bemühte man sich seitens der habsburgischen Verwaltung, auch diese Dörfer mit orthodoxer Bevölkerung den Unionskirchen anzugliedern. Dabei gelang es interessanter Weise, auch protestantische Gruppen in das neue Vikariat von Hajdudorog zu integrieren, das zunächst dem Primas von Ungarn unterstand. Am Ende des 18. Jh. setzte unter den unierten Gemeinden eine massive Madjarisierung ein, sodass die Liturgie aus dem Kirchenslawischen ins Ungarische übersetzt werden musste. Einige vorwiegend rumänische Dörfer kehrten damals jedoch wieder zur Orthodoxie zurück.

Auch nach 1870 kam es wieder zur massiven Abwanderung der slawischen Glaubensgruppen, die sich der Madjarisierung widersetzten. Zurück blieben etwa 100 mehrheitlich ungarischsprachige Gemeinden, nur wenige pflegten noch das Ruthenische oder Slowakische.
Ende des 19. Jh.s war die Lage der Unierten gegenüber den römischen Katholiken weiterhin von Unterschieden geprägt, sodass man sich seitens der Unierten bei Kaiser Franz Joseph I. die Erlaubnis holte, bei Papst Leo XIII. um die Gründung einer eigenen Diözese nachzufragen. 1912 entstand die Diözese Hajdudorog mit dem Bischofssitz Nyiregyhaza, jedoch mit griechischer statt ungarischer, ruthenischer oder slowakischer Liturgiesprache, was einen völligen Widersinn bedeutete und nie umgesetzt wurde, weil der Erste Weltkrieg ausbrach und diese Vorschrift nicht der Realität entsprach.

In den folgenden Jahrzehnten des 20. Jh.s fielen die Unierten im Osten Ungarns vor allem dadurch auf, dass sie mit großem Einsatz nicht nur um die Erhaltung ihrer Identität als madjarisierter Slaven rangen, sondern auch dadurch, dass sie mit großem Engagement an ihrem Glauben festhielten. Ihr Seminar in Nyiregyhaza galt unter den ungarischen Kommunisten als Hort der katholischen Renitenz und des Widerstandes.
Seit 1988 können sich die Unierten Ungarns wieder frei entfalten, sodass in den Volkszählungen von 1991 (230.000) und 2001 (fast 300.000) die Zahl der Einwohner, die sich zu ihrer Kirche bekannten, ständig anstieg. In Nyiregyhaza wird eine neue theologische Hochschule gebaut, um alle Gemeinde pastoral ausreichend betreuen zu können. Die 174 Priester, sieben Ordenspriester und 13 Nonnen reichen dafür nicht mehr aus. Im Seminar bereiten sich 70 Seminaristen auf das Priesteramt vor. Vordringlich ist jedoch die Wiederherstellung der von 1948 – 88 teilweise stark in Mitleidenschaft gezogenen Kirchengebäude.


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Ungarn:
Apostolisches Exarchat Mikolc, zur römisch-katholischen Kirchenprovinz Esztergom-Budapest: Bistum Hajdúdorog


Weissrussisch-Katholische Kirche
Kurzbeschreibung
Verbreitung:
Weissrussland (1 % der Gesamtbevölkerung )
Kirchenverwaltung: Apostolische Visitatur
Sitz: Rom (Minsk)
Kirchensprache: Weißrussisch
Kalender: Julianisch


Als nach den drei Teilungen des Polnischen Königreiches im 18. Jh. auch die im Norden Podoliens und Podlachiens gelegenen Gemeinden der ukrainischen Union zum zaristischen Russland kamen, wurden postwendend nicht nur die orthodoxen Gläubigen russifiziert, sondern auch die Unierten mit Vorbedacht wieder der orthodoxen Kirche eingegliedert. Davon waren 80% aller Weißrussen betroffen. 1838/41 fand dieser Prozess seinen Abschluss. Nur in einigen Dörfern konnte sich die Erinnerung an die Union von Brest erhalten und 1918 mit der Gründung der polnischen Republik wieder aufleben.

Schon 1917 fand in Minsk wieder ein unierter Gottesdienst statt. Das bedeutete bis 1940 aber keine Stabilisierung der Gemeinden, weil die Unierten einer gründlichen Polonisierung und Latinisierung ausgesetzt waren. Erst von 1941 – 1944 gab es unter der deutschen Besatzung für die Unierten gewisse Privilegien und die Entstehung eines neuen Selbstbewusstseins, sodass ein Exarchat entstand. 1946 wurden diese Gemeinden wieder der orthodoxen Kirche eingegliedert und fast alle ihrer führenden Mitglieder deportiert. Deshalb konnte sich im Untergrund nie eine unierte Bewegung wie in der Ukraine organisieren.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gelang es im November 1991 noch nicht, unierte Gemeinden registrieren zu lassen. Erst 1992 gab die Regierung nach und gestattete, neben der von der polnischen Minderheit Weißrusslands geprägten römisch-katholischen Kirche auch die alte Unionskirche in bescheidenem Maße als Exarchat wieder zu errichten. Man schloss sich aus naheliegenden Gründen jedoch eng an die seit 1989 wieder bestehende ukrainische Mutterkirche an.

Im Juli 1990 hatte in Minsk der erste Gottesdienst stattgefunden. Seither darf die Dreifaltigkeitskathedrale dreimal wöchentlich für zwei Stunden benützt werden, blieb aber in Staatsbesitz. Die Gemeinden in Polozk, Brest, Mogilev, Baranovitschi, Gomel, Grodno, Ivanzevitschi, Lida, Maladetschna und Witebsk konnten sich reorganisieren. In Polozk entstand ein neues Studitenkloster, das dem Märtyrer Josaphat gewidmet wurde. Im Athanasiuskloster bei Brest, das von jenem Heiligen Ataanas gegründet wurde, der am 5. September 1648 als Märtyrer hingerichtet wurde, leben seit 1993 wieder zwei Mönche.

Die Soziologin Natalla Pjatrovitsch stellte 1993 fest, dass vor allem unter den Unierten das Weißrussische als Sprache gepflegt wird, während die römisch-katholischen Weißrussen, auch wenn sie sonst weißrussisch sprechen, auf Polnisch beten!
Seit 1998 gibt es wieder eigene Gotteshäuser für die Unierten, wenn man von der Kapelle in Mogilev absieht, die der Staat 1991 zurückgegeben hatte. Teils wurden sie neu gebaut, teils gab sie der Staat zurück. Noch 1999 verbot der katholische Kardinal Swiatek die gemeinsame Nutzung einer Kirche in Minsk.
Die unierte Kirche hat wieder sechs Priester und drei Diakone, die in Lemberg ausgebildet wurden. Von den Studiten in Rom wurde 1995 die Chrysostomos-Liturgie ins Weißrussische übertragen. Als Apostolischer Visitator fungiert Jan Sergej Gajek, der zugleich Professor in Lublin ist. Die 1993 vom Papst geplante Eingliederung der Gemeinden in die röm.-kath. Diözese Grodno wurde nach heftigen Protesten der Unierten nicht durchgeführt. Dekan der Gemeinden ist Jan Matusiewicz. Der unierte Erzbischof Ivan Martynjak von Przemysl weihte mit Andrej Ablamejka im Dezember 1998 erstmals seit 70 Jahren wieder einen Weißrussen zum weißrussisch-katholischen Priester.
Die Unierten haben in den letzten Jahren vor allem unter der urbanen Intelligenz des Landes Anhänger gefunden, sodass man die Gesamtzahl aller Gläubigen in den 12 Gemeinden guten Gewissens mit 50.000 angeben kann.