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Damian Hungs

Entwicklung der Patriarchate

Nachdem das Konzil von Konstantinopel, im Jahr 381, dem Patriarchen von Konstantinopel den zweiten Rang hinter Patriarchen des Abendlandes (Rom) zugeordnet hatte, legte Kaiser Justinian I. die Pentarchie der Patriarchate fest, was auch noch 1215 durch das 4. Laterankonzil bestätigt wurde.

1. Die Pentarchie

1.1 Patriarchat des Abendlandes

Der Patriarch des Abendlandes war der Bischof von Rom. Begründet durch die Apostel Petrus und Paulus, nahm er den ersten Platz ein und galt als "Primus inter pares". Ein reiner Ehrenvorrang. Im Jahre 2006 hat Papst Benedikt XVI. auf diesen Titel verzichtet.

1.2 Patriarchat Konstantinopel

Begründet durch den Apostel Andreas, erlangte es durch das Konzil von Konstantinopel (318) den zweiten Platz im Kollegium der Patriarchen. Bis 1453 war die Hagia Sophia die Kathedrale des Patriarchen, der seinen Sitz heute in der Georgskathedrale zu Phanar (Istanbul) hat. Seit der Trennung von Osten und Westen, trägt er den Titel "Ökumenischer Patriarch" und hat den Ehrenvorsitz in den Byzantinischen Kirchen. Im Osmanischen Reich galt er als das Oberhaupt aller Byzantiner, so dass es nur noch ihn als Patriarchen gab. Auch die Patriarchen von Antiochien und Alexandrien nahmen über mehrere Jahrhunderte ihren Sitz in Konstantinopel und existierten nur noch formell.

1.3 Patriarchat Alexandrien

Durch den heiligen Markus begründet, nahm es den dritten Platz unter den Patriarchaten ein. Als erster Patriarch führt er die Bezeichnung "Papst" und nennt sich bis heute "Patriarch von Alexandrien und ganz Afrika". Im Jahr 451 spaltete sich die Koptische Kirche ab, welche bis heute besteht. Während der byzantinische und ursprüngliche Patriarch während des Osmanischen Reiches in der Belanglosigkeit verschwand und über Jahrhunderte in Konstantinopel lebte, avancierte der Patriarch der Kopten zum "eigentlichen" Patriarchen in Alexandrien. 1741 kam es zur Gründung eines dritten, kleinen Patriarchates - dem Koptisch-Katholischen Patriarchat.

1.4 Patriarchat Antiochien

Durch den Apostel Petrus begründet, nahm das Patriarchat den vierten Platz unter den Patriarchen ein. Er nennt sich bis heute "Patriarch von Antiochien und dem ganzen Orient". 451 kam es zur Abspaltung der heutigen Syrisch-Orthodoxen Kirche. Im Osmanischen Reich verschwand der byzantinische und ursprüngliche Patriarch in der Belanglosigkeit und residierte über Jahrhunderte in Konstantinopel. Bereits in den Kreuzfahrerstaaten in den Rahmen der Unwichtigkeit geraten, vereinigten sich 1182 die Maroniten mit Rom, denen 1342 die Melkiten und 1781 die Syrisch-Katholische Kirche folgte. Alle mit einem eigenen Patriarchen.

1.5 Patriarchat Jerusalem

Auf dem Konzil von Chalkedon, im Jahre 451 zum Patriarchat erhoben, war es das unwichtigste der Patriarchate. Von kleinem Einflussbereich, wurde der byzantinische Patriarch in den Kreuzfahrerstaaten durch einen lateinischen Patriarchen ersetzt.

 

2 Katholikate

Waren die "Oberbischöfe" des Römischen Reiches die Patriarchen, so setzte man außerhalb als solche einen "Katholikos" ein. Später führten diese auch den Titel des Patriarchen.

2.1 Katholikat Seleukia-Ktesiphon

Das Katholikat war für die Christen im Perserreich zuständig. Aus ihm erwuchsen die Assyrische Kirche des Ostens und die Chaldäische Kirche.

2.2 Katholikat Armenien

Für die Christen in Armenien am Schwarzen Meer zuständig, entstand aus ihm die Armenische Apostolische Kirche.

2.3 Katholikat Georgien

Für die Christen in Georgien zuständig, entstand aus ihm die Georgische Orthodoxe Kirche

2.4 Katholikat Maphrianat

Auch Katholikat des Ostens genannt, war es für die Christen im Bereich des heutigen Indien zuständig. Aus ihm entstanden die Malankara Orthodox-Syrische Kirche und die Malankara Syrisch-Orthodoxe Kirche.

 

3 Neue Patriarchate

Im Zuge der Slavenmission kam es zur Gründung neuer Patriarchate. Sie alle gehören dem Byzantinischen Ritus an.

3.1 Patriarchat Bulgarien

Im Jahre 919 stiftete Zar Simeon I. das Kloster Zografou und errichtete ein eigene Patriarchat, welches dann auch 927 durch den Patriarchen von Konstantinopel anerkannt wurde. Kriegerische Auseinandersetzungen mit Byzanz, führten zu einer Verlegung des Patriarchatssitzes von Preslaw nach Ohrid. Als das Staatsgebiet, seit 1018, wieder zu Byzanz gehörte, wurde der Patriarch zum Metropoliten degradiert und erneut dem Patriarchen von Konstantinopel unterstellt. Erst 1953 wurde das Patriarchat wieder hergestellt.

3.2 Patriarcht Serbien

Die politische Unabhängigkeit Sebiens, führte 1346 zu einer Loslösung von Ohdrid (Patriarch Bulgarien) und damit zu einem eigenständigen Patriarchat. Dieses wurde 1766 durch das Osmanische Reich aufgehoben, existierte aber seit 1842 wieder als Patriarchat von Karlovici erneut, wurde 1920 nach Belgrad verlegt und nannte sich erneut Patriarchat Serbien.

3.3 Patriarchat von Moskau und ganz Russland

Nachdem der Sitz des Bischofs 1346 von Kiew nach Moskau verlegt worden war, besaß die Metropolie seit 1448 die Autokephalie. Nachdem der Synod 1589 die Errichtung eines Patriarchats beschlossen hatte, wurde dies 1590 durch den Patriarchen von Konstantinopel anerkannt und den fünften Rang zugewiesen. Zar Peter der Große hob das Patriarchat im Jahre 1721 auf und ließ die Kirche zukünftig durch den Heiligen Synod, unter staatlicher Aufsicht, leiten. Erst das Ende des Zarenreiches, führte 1917 zur Wiederbegründung des Patriarchates. Heute ist es das größte Patriarchat der Orthodoxie. Um seine Probleme mit den Autonomiebestrebungen der Orthodoxie in der Ukraine zu verstehen, muss man seinen Ursprung in der Ukraine (der Russ) berücksichtigen.

3.4 Patriarchat Rumänien

Die zweitgrößte Kirche der Orthodoxie wurde 1781 durch ein Edikt Kaiser Josef II. anerkannt. Seit 1885 eine autokephale Kirche, wurde der Metropolit von Belgrad 1925 zum Patriarchen erhoben.

 

4 Lateinische Patriarchen

Mit den Kreuzfahrerstaaten begann die Lateinische Kirche damit, eigene Patriarchen für die "Alten Patriarchate" einzusetzen und auch "Ehrenpatriarchen" einzusetzen. Faktisch handelte es sich hierbei Ehrentitel.

4.1 Patriarchat Jerusalem

Im Jahre 1099, mit der Errichtung der Kreuzfahrerstaaten, wurde der Byzantinische Patriarch durch einen Lateinischen Patriarchen ersetzt. Seit 1291 handelte es sich nur noch um einen Ehrentitel, welcher einem Kurienkardinal verliehen wurde und der seinen Sitz in der Kirche San Lorenzo fuori le mura in Rom hatte. Erst 1847 wurde er wieder als Territorialbischof in Jerusalem ansässig.

4.2 Patriarchat Konstantinopel

Die lateinische Eroberung Konstantinopels, führte zu einer Ersetzung des Byzantinischen Patriarchen, durch einen Lateinischen Patriarchen. Als die Lateiner ihre Macht verloren hatten, vereinigte der Papst es mit dem Bistum Negroponte (Kreta). Schließlich handelte es sich nur noch um einen Kurienkardinal, der seinen Sitz im Petersdom hatte. Seit 1948 nicht mehr besetzt, wurde das Patriarchat 1964 aufgehoben.

4.3 Patriarchat Alexandrien

Im Jahre 1215 von Papst Innozenz III. errichtet, sollte es den Anspruch der Rechtgläubigen symbolisieren. Seinen Sitz in der Kirche St. Paul vor den Mauern, war es seit 1954 nicht mehr besetzt und wurde 1964 aufgehoben.

4.4 Patriarchat Antiochien

In den Kreuzfahrerstaaten wurde der Patriarch der Byzantiner gegen einen Lateiner ausgetauscht. Nach 1268 war es nur noch ein Ehrentitel, dessen Inhaber in Rom residierte und zumeist Kurienkardinal war. Seit 1953 unbesetzt, wurde das Patriarchat 1964 aufgehoben.

4.5 Patriarchat Aquileja

Im Jahre 567 kam es mit Rom zu Glaubensstreitigkeiten. Der Patriarch sagte sich nun von Rom ab und legte sich den Titel eines Patriarchen zu. Seit 568 residierte der Patriarch in Grado. Als dieser sich 606 wieder mit Rom versöhnte, zog das Domkapitel in Aquileja nicht mit und wählte einen neuen Patriarchen. Kurz darauf muss die Streitigkeit jedoch beigelegt worden sein. Den Titel eines Patriarchen beibehaltend, residierte der Patriarch seit 1238 in Udine. Im Jahre 1751 wurde das Patriarchat aufgehoben.

4.6 Patriarchat Grado

Seit 568 hatten die Patriarchen von Aquileja ihren Sitz in Grado. Als der Patriarch sich 606 wieder mit Rom vereinigte, nicht aber das Domkapitel in Aquileja, konnte er den Titel eines Patriarchen beibehalten. 1451 wurde das Bistum mit Castello vereinigt und der Sitz nach Venedig verlegt.

4.7 Patriarchat Venedig

Im Jahre 1451 wurden das Bistum Castello und das Patriarchat Grado vereinigt und der Sitz des Patriarchen nach Venedigt verlegt.

4.8 Patriarchat Westindien

Das Patriarchat bezog sich auf die "Neue Welt" und hatte keinen festen Sitz, sondern wurde stets als Titel vergeben. Am 11. Mai 1524 begründet, war es zumeist ein spanischer Bischof, welcher zugleich Großkaplan des spanischen Heeres war. Zwischen 1540 und 1920 zumeist dem Erzbischof von Toledo verliehen, wird der Titel seit 1963 dem nicht mehr vergeben.

4.9 Patriarchat Lissabon

Im Jahr 1716 wurde das Erzbistum von Papst Clemens XI. zum Patriarchat erhoben.

4.10 Patriarchat Ostindien

Am 1. September 1886 wurde der Erzbistum Goa zum "Patriarchat von Ostindien" erhoben. Seit 2006 ist der Titel nicht mehr mit dem Bistum verbunden, wird dem Erzbistum jedoch stets als Ehrentitel verliehen.